Archiv für die Kategorie ‘Vollfett’

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Persönliches Unwort 2008

14. September 2008

Platz 1:

Bedienzuschlag

“… macht Zwo fuffzich” bei der  Bahn, wenn Oma ihr Ticket noch beim kurz angebundenen Frollein am Schalter erwerben möchte.

Nun ja Gott sei Dank doch nicht - die Bahn hat einen Rückzieher gemacht und verzichtet auf 50 Mio. EUR Einnahmen über den gekürten Bedienzuschlag. Diese Blöße wegen 50 Mio.? Bitte, meine Herren Strategen (es sind bestimmt nur Herren), diese 50 Mio. anders verteilt wären doch noch locker drinnen gewesen, ohne sie in Form dieses grandiosen Kundenschlags publik zu machen. Zehn Cent hier, 50 Cent dort und die Blamage wäre nie entstanden. Allerdings auch nicht die Auszeichnung zum persönlichen Unwort des Jahres 2008.

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Der Komplott

16. August 2008

Der Kommentar von Politbomber brachte mich dazu:

Der Mord an den US-Demokraten und Parteichef in Arkansas, Bill Gwatney klingt nach überreifem Filmmaterial:

Die Familie des Auserwählten, Angestellter eines Kaufhauses, bekommt viel Geld (oder bleibt am Leben), wenn der Auserwählte einen triftigen Grund findet auf seiner Arbeit entlassen zu werden, er G. erschießt, die Polizei provoziert und sich selbst erschiessen lässt. Die Gattin ist zwar Witwe aber die Kinder können auf die Uni. (Oder so.) Für die Medien ist G. von einem frustrierten amoklaufenden Entlassenen erschossen. (Ende in der Realität.)

Im Film kommt dann noch ein smarter Held (oder Heldin, vielleicht sogar die Liebhaberin von G.) und deckt den Politskandal auf. (Sie könnte nämlich selbst Journalistin sein.) Innerparteiliche intrigante Machenschaften.

Aber das ist schließlich alles nur Phantasie. Und wer hat etwas davon, dass G. tot ist?

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Der Wein in der Höh’

29. Juli 2008

Letztes Jahr habe ich ihn geschenkt bekommen. Zwei gerade mal höchstens einen Centimenter große Stecklinge eines wilden Weines. Da habe ich mich gefreut und ersehnte eiligst den Winter, den Frühling und die dann entsprechende Pracht der rankenden Äste und Trauben.

Der Winter war hart. Und der Hausmeister duldete keine überwinternden Pflanzen auf dem Treppenabsatz. Da musste der ach so kleine Wein durch die kalte Prüfung.

Es sah bereits so aus, als hätte ich einen weiteren kleinen Topf zur Verfügung, glaubte ich nicht mehr an die hölzernen Stöckchen, die da so bräunlich aus der Erde lugten. Ich sollte mich täuschen. Tatsächlich brach an einer Seite der Stöckchen das Rindchen auf und ein saftig-grüner Kopf traute sich in die Welt zu schauen. Einer ein wenig früher als der andere. Es sollte also doch noch etwas werden mit dem Ranken und den Trauben. Voller Tatendrang wuchsen die grünen Ästchen nun und streckten sich, um endlich über den Topfrand die Welt zu betrachten. Nun ist Ende Juli. Die Ästchen sind  flugs über den Topfrand gewachsen und verharren dort in unveränderter Größe. Nichts geschieht mehr. Drum herum wachsen die Engelstrompeten und Wunderblumen. Aber der Wein hat sich auf die Größe von drei Centimetern eingelassen und macht auch keine Anstalten, weiter zu wachsen. Dann wurde es mir schlagartig klar. Dieser Wein, der im 4. Stock an der Ecke der Balkonballustrade steht, hat definitv Höhenangst. Einmal über den Topfrand geschaut wurde ihm so schwindelig, dass er sich partout weigert noch höher zu steigen. Ist ihm die jetzige Höhe doch bereits zu viel. Die tapferen Blätter haben sämtliche Farben von Gott-ist-das-hoch-bleich bis Stell-mich-doch-einer-mal-runter-Wut-rot.

Keine einfachere Herausforderung als diese. Ich stellte das Töpfchen kurzerhand auf den Boden. Natürlich musste ich dabei so gleichgültig wie möglich handeln. Denn selbstredend darf niemand vermuten, der Wein könnte womöglich mit der Höhe nicht klar kommen. Als habe ich mehr oder minder im Vorbeigehen das Töpfchen geschnappt, darauf geachtet, dass es dabei auf gar keinen Fall über der Ballustrade schwebte und schwupps auf die Blumenbank gestellt. Ganz nebenbei, denn vordergründig habe ich die Engelstrompete bewundert.

Wenn er, also der Wein, jetzt vor Scham nicht eingeht, dann wird er wohl seinen ganzen Mut zusammenraffen und wachsen.

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Posthume Symptome

18. Juli 2008

Heute bei GMX und Web.de:

“Bei dem Lauf auf Deutschlands höchsten Berggipfel waren am Sonntag zwei Männer im Alter von 41 und 45 Jahren kurz vor dem Ziel an Unterkühlung gestorben. Einer der beiden erlitt zudem eine Herz-Kreislaufschwäche.”

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Sportsgeist

21. Juni 2008

Die Quarktasche versteht sich. Gelegentlich auch als höfische Schriftrolle des geistigen Staates. Auswürfe grauschläfriger Masse vakuumisierten Sinnes. Die Leibesertüchtigung findet im geschlossenen Cranium statt, Ergebnisse sind weder Punkte noch Siege sondern Worte. In denen es dann auch nicht um Punkte oder Siege geht. Daher findet sich in dieser Quarktasche auch kein Leder, Lack und Gummi. All die Auswürfe, die annähernd sich mit etwas wie Fußball oder Formel 1 beschäftigen könnten, finden sich doch eher hier, wenn es mit Fußball zu tun hat oder hier, wenn es um die Formel 1 geht.

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Question it

26. Mai 2008

Es geht ‘ne E-Mail rum widebum.
Und offenbar noch intensiver im englisch sprachigen Raum. Und dennoch. Ich erhalten sie ebenfalls. Fleissig immer wieder und konsequent verschafft sie sich neuen Zugang in mein Postfach. Der Fragende ist tatsächlich jemand aus meinem Adressbuch.

Die Rede ist von FanBox - Question it. Und die Mail ist einfach:

Von: “Question_It” <question_it@fanboxnotes.com>
An: <…>
Betreff: yoyo has asked you a question
yoyo asked you a question. View the question and answer it.

Ein Hauch von Abbinder-Text und das war’s.

Der Link hinter “View the question” beinhaltet die “…src=ViralWidgetEmail…”. So so. Klingt irgendwie unkoscher.
Jede Menge Foren-Fragen gibt es zur Question it-Mail. “WTF is Question it?” und “How get I them off?” Immer wieder fällt dann doch mal jemand auf diese Mail rein.

Dabei scheint FanBox ein ganz normaler social networkender Haufen à la MySpace, Second Life, Facebook und Co. zu sein. Ein webbasiertes Desktop à la Windows mit Word-Verarbeiter, Datenlagerfläche und Backup-Funktion sowie Meetingpoint mit integriertem Marktplatz und zig Spielerein. Software, Anwendungen, Musik und Videos werden von den Mitgliedern an andere Zahlungswillige verscherbelt. Das vordergründige Augenmerk liegt selbstverständlich in einer tollen Gemeinschaft, welche ihre Profile schön gestalten kann und ganz viele Freunde und Schon-bald-Freunde hat, mit denen man sich austauschen kann. Natürlich auch per angebotenem Instant-Messenger und SMS-Versand. Sowie die “Qusetion-it-Applikation”, ebenfalls von SMS.ac. Ein Unternehmen, welches offenbar in FanBox aufgegangen ist und bereits als agierender Spammer bekannt ist.

Darüber hinaus scheint der Laden in San Diego lukrativ zu sein. Die selbst ernannte “world’s largest mobile community” wirbt damit, eine unglaublich nette Arbeitsatmosphäre zu haben und sucht jede Menge Software Engenineers und Web Designer.

Unschön sind die gleichlautenden Berichte derjenigen, die dann doch dem Zucken ihres Fingers nicht wiederstehen konnten und wissen mussten, wie die Frage lautet. In der Regel ist der Versender auch jemand aus dem eigenen Adressbuch. Das macht den Klick verlockender. “Würdest Du lügen, wenn es niemandem verletzen würde?” Oder “Glaubst Du, dass die Liebe blind ist?” Ein Klick auf “Yes” (oder auch “No”) lässt augenblicklich den Auskunftgebenen zum registrierten Mitglied von FanBox werden. Ein Auslog-Button wird vergebens gesucht. Die Keksdose wird im Rechner ausgeschüttet. Das Adressbuch wird ausgelesen. Mit “Unsubscribe” werden unzählige Möglichkeiten angeboten (nur kein unsubscribe) und jeder Klick dient wohl nur zur Bestätigung der E-Mail-Existenz. (Jede real existierende und aktive E-Mail ist wertvolles Adressmaterial, welches freudig verhökert werden kann.)

Offenbar ist die Funktion, den Account wieder zu löschen, unter dem Feature “SMS” versteckt. Hier wird nicht nur die mobile Telefonie involviert sondern auch jegliche Form von “Short Messages”. Klingt fast logisch, wäre der Rest nicht so harmisch.

Der einfachste Schutz ist, die Domain komplett zu sperren. Also “*fanboxmail.com” oder auch “*smsacfriends.com” in die Blacklist eintragen und der Spuk ist vorbei.

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www.arbeitsagentur.de

27. März 2008

Ich durchforste die Jobbörsen. Und wage mich sogar auf die Seite der Bundesagentur für Arbeit vor. Nach dem ersten Klick auf den recht prominenten Button “JobBörse” öffnet sich eine Seite, die mir klar macht: hier finde ich “gezielt und schnell eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle (…), die den persönlichen Vorstellungen entspricht.” Das freut mich doch. War es doch der Grund, warum ich auf den größeren Button gerade geklickt hatte. Der immer noch da ist, nun aber nicht mehr anzuklicken ist. Darunter und somit mitten auf der Seite: Ein riesiger Störer, den man professionell ignoriert. Ganz unten dann: “Weiter zur J O B B Ö R S E”. Voller Hoffnung noch ein Klick auf das rudimentär unterstrichene und gesperrte Wort. Jetzt geht es los.

Doch nicht. Jetzt kann ich dann endlich wählen, ob ich Arbeitnehmer oder Arbeitgeber bin. Also ein weiterer Klick und jetzt beginnt es kriminell zu werden. Denn die jetzige Information ist berauschend: “Sie haben die Jobbörse für Arbeit- und Ausbildungssuchende ausgewählt. Folgende Funktionen stehen Ihnen zur Verfügung:
Stellenangebote suchen”
Na, wer hätte das gedacht?

Zusätzlich wird nun die geistige Anregung stimuliert, in dem die bisherige Hauptfenster-Navigation plötzlich in der linken Leiste auftaucht. Es könnte bedeuten, dass das Ziel näher rückt. Ich klicke. (Auf “Stellenangebot suchen”) Das Unfassbare geschieht. Ich lande auf einer Seite, die mich willkommen heißt in der Stellen- und Bewerberbörse der Bundesagentur für Arbeit. Ich bleibe tapfer - obwohl, leide ich an Amnäsie? Hatten wir das nicht schon? Die linke Navigationsleiste ist im Übrigen wieder verschwunden. Im Hauptfenstererscheint erscheint die Alternative “Arbeitgeber”. Ich klicke auf auf “Arbeit- und Ausbildungssuchende”. Und zweifele an der Wahrheit: “Sie haben die Jobbörse für Arbeit- und Ausbildungssuchende ausgewählt. Folgende Funktionen stehen Ihnen zur Verfügung:
Stellenangebote suchen”

Nun glauben Sie mal gar nicht, dass ich die unterstrichene und gefettete “Stellenangebote suchen” anklicken kann. Ein Anflug von Panik wirbelt sich einmal entlang an der Innenseite meiner Rippen. Links! die Navigation ist wieder links! Links steht erneut “Stellenangebote suchen” und im Hover verwandelt sich die Pfeilspitze in eine kleine rechte Hand. Ich werde im Kreis geführt und gleich ist mir schwindelig. Ick klicke erneut und nach nur nutzerfreundlichen sechs Klicks öffnet sich in einem neuen Tab die Arbeit- und Ausblidungsstellen-Suchmaske der Bundesagentur für Arbeit. Einsatz der Bläser. Und der Computer ist zusammengebrochen.

Die Suchmaske, my dear, ein anderers Mal. Auch wenn im Zugang zur Jobbörse sich offenbar ein Quartals-Bug austobt: Die Suchfunktion gibt einen Einblick frei in die Strukturen beamtlicher Daten-Archivierung. Das ist tatsächlich ein Kapitel für sich.

Wie heißen eigentlich die Verbrecher, die für die Arbeitsagentur-Seiten Geld bekommen haben?