Archiv für die Kategorie ‘Magerstufe’
28. Juli 2008
Barack Obama spricht und die Welt hält den Atem an. 200.000 Menschen an der Siegessäule in Berlin bei seiner Rede am 24. Juli 2008. Es werden fröhlich amerikanische Flaggen geschwenkt. Bei Ronald Reagan wurde noch Kreuzberg abgeriegelt. Wer wäre Obama ohne die Medien? Ein Senaror aus Illinois. Hillary Clinton hat ja noch einen populärpolitischen Bekanntheitsbonus als Ex-First-Lady. Aber Barack Obama?
Als Halb-Kenianer will er den Übergang von einer weißen in eine schwarze Präsidentschaftsära einläuten. Die Medien lieben ihn, und weil das so ist, lieben wir ihn auch. Na gut, okay, er hat auch hehre und vertretbare Ziele. Manchmal jedoch offenbar nicht die standfestesten.
Den Medien sehr hilfreich macht es zurzeit auch zusätzlich der designierte Kandidat jener Partei, welche man gerne in Rente schicken würde, John McCain von den Republikanern. Durch sein mäkelndes Gezicke macht er sich ganz allein unbeliebt. Erst recht, wenn McCain überflüssigerweise auch noch international beleidigend wird.
Und der charismatische Charmebolzen Obama steht trotz Zigarettenlaster für Sportlichkeit und Zeitgenössigkeit. Die Welt lechzt nach einem Wechsel. Friedenstauben und Blümchen in modernem Anthrazit. Nach jahrelanger politischer Übersättigung und Langeweile. Dann finden wir jetzt halt wieder die Amis schau. Auch in Ordnung. Hauptsache, es passiert mal wieder was.
Liebe Medien: Dankeschön.
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24. Juli 2008
Kommunikationspsychologisch war es nur eine Frage der Zeit, bis die (neue?) Agentur von Jever Pilsner auf den Trichter kommt, die Negativ-Botschaft des Traditionsspots endlich in eine Positiv-Botschaft umzuwandeln.
Aus “keine Staus, eine Cocktailparties usw. bis kein anderes Bier”, was ja erstmal positiv klingt aber mit negierendem Satzbau daher kommt, wurden nun endlich die “Keins” im Text verbannt. Jetzt heißt es “Genau.” “Genau mein Wetter, genau meine Art los zu lassen…” bis “genau mein Bier”.
Nur der Leuchtturm und sein immenser Schatten irritiert mich noch etwas. Der ist für meine Rezeptoren noch so sehr mit Lübzer verankert.
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23. Juli 2008
Es sind nicht mehr unbedingt die ragged people, die einen langen Arm in die Mülltonnen machen, auf der Suche nach weggeworfenem Geld in Form von Pfandflaschen. Es sind immer öfter Muttis und Pappis, die im ganz alltäglichen C&A-Chick mit Einkaufstrollys die Einwurfstellen der BSR durchstöbern wie die Grabbeltische bei Woolworth. Verständlich, bei den sich offenbar lohnenden Fundquoten. Beängstigend, bei der vermeintlich soziodemografischen Nähe.
Nun taucht in Berlin ein Phänomen auf, welches ich bisher nur aus der Heimat meiner Eltern kannte: Die Cartoneros. Die, die Pappe oder Altpapier sammeln. Transportiert auf waghalsigen Eigenkonstruktionen mit Rädern. Denn Papier und Pappe ist in der Masse schwer und nur so auch lukrativ. 7,00 EUR für 100 Kilogramm Tageszeitungen, Illustrierte und Kataloge. Kartonage wirft pro Kilogramm dagegen nur 3 Cent ab. Diese Preise werden bei der WIKO Papierhandels GmbH gezahlt. Bei der Papierbank liegen die Preise für Altpapier bei 5 Cent/Kg.
Die Papierbank zahlt zwar weniger, hat allerdings allein in Berlin bereits 20 Annahmestellen für vorsortierte Zeitungen, Telefonbücher und so weiter. Wiko Berlin hat nur in der Friedrichshainer Markgrafenstraße eine Annahmestelle.
Für den Transport von kiloweise Altpapier wird es im fortschrittlichen Deutschland nicht nötig sein, fahrtüchtige Konstruktionen zu entwickeln. Gibt es hier doch im Supermarkt Einkaufswagen schon für einen Euro, bei Discountern manchmal sogar schon für 50 Cent. Darüber hinaus sind (in meiner Phantasie) Papiertonnen wesentlich angenehmer zu durchwühlen als Mülltonnen.
Das Szenario
Je reicher eine Stadt umso mehr Abfall produziert sie. Früher oder später gibt es eine Papier-Camorra und eine Pfand-Mafia. Die Mülltonnen mit vermeintlichen Pfandglas stehen in klar getrennten Reviere und dürfen nur von den dort zugelassenen Pfand-Ladies und -Gents durchforstet werden. Da dieser “Markt” dann bereits zu genüge bedient wird, wird sich die Papier-Camorra die Altpapier-Tonnen untereinander aufteilen, um sich zumindest dort ein paar Euro dazu zu verdienen. Aus dem Umland werden per Pritschenwagen Sammelwillige in die Stadt gefahren, welche mit einer aberwitzigen Umsatzbeteiligung das große Geschäft mit den Sekundärrohstoffen antreiben. Dafür dürfen sie allerdings gefahrenlos die entsprechenden Tonnen durchwühlen.
Und die Busspuren werden eingenommen sein von den Cartoneros auf dem Weg zu den Papier-Annahmenstellen.
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23. Juli 2008
Zwar wird die ganze Zeit über den Frischmilchpreis debattiert und dieser ist auch schon brav um ca. 10 Cent angehoben worden, aber um den geht es eigentlich gar nicht. Es geht um den ganzen anderen Käse und Quark, der preislich nahezu unverändert in den Kühlregalen feil geboten wird. Also werden beim Bund deutscher Milchviehhalter, BDM, die Säbel geschliffen und gerasselt und über den nächsten Gulligang des weißen Rohstoffes nachgedacht. Milchminister Seehofer ruft aus zum laktischen Gipfel am 29. Juli. So wird der Käse auf die Spitze getrieben und es geht um die Butter.
Das Ziel jedoch, dass die Milchbauern (berechtigterweise) mehr Geld für ein Kilogramm oder vielleicht demnächst einen Liter Milch erhalten, zieht natürlich auch mit sich, dass die Verbraucher mehr Münzen in die Hand nehmen müssen, um eben diese Milch zu bezahlen. Und das Gejammere möge dann auch berechtigt sein.
Dem verbraucherpreisindexbildenden Warenkorb werden allerdings dadurch nicht die Weiden locker. Schließlich werden ja die ebenfalls im Korb liegenden Computer im Gegenzug immer billiger.
Schade nur, dass man (selbst wenn man es manchmal wünschte) Computer nicht schaumig schlagen kann.
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18. Juli 2008
So ist das nun mit der Milch. Die deutschen Milchbauern streiken und so richtig bekommen wir es als Verbraucher gar nicht mit. Ja, die Milch scheint wohl knapp zu sein. Aber der Einzelhandel hat angekündigt, dass es nicht zu leeren Regalen in den Supermärkten kommen wird.
Und gestern bin ich mal wieder in Windeseile um kurz vor 20 Uhr noch schnell bei Plus rein und fand auch noch eine ganze Palette eingewickelter Milch vor. Etwas umständlich war es zwar, die Folie aufzurupfen, um an das weiße Glück zu kommen. Die Lieferung sah an sich auch etwas ramponiert aus, doch bei einem Billigmarkt ist man ja an die vernachlässigte Warenpräsentation gewöhnt.
Die Gänge noch schnell nach Wein, Pistazien, chilled Food und Käse abgerannt, bis ich perfekt austariert in der kapitalistischen Kassenzone mich ordnungsgemäß einreihe. Verschnaufpause, die Schlange der Kurz-vor-Acht-Shopper ist recht ansehnlich. Als ich endlich meine zukünftige Ware auf das Transportband legen kann, macht mich die Verpackung der haltbaren Sachsenmilch stutzig. Auch die Druckqualität des “Designs” sah verdammt gerastert aus. Die Farben teilweise übersteuert. Und siehe da: “Hergestellt für Sachsenmilch AG (…) von Mlékárna Pragolaktos, blablabla, Tschechische Republik”.
So einfach geht das. Kostet auch nicht mehr als die gute deutsche Milch. Obwohl sie einen viel längeren Weg zurücklegen musste. Und für den Milchkaffe oder neudeutsch Latte Macchiato reichts allemal. Bleibt nur das mulmige Gefühl, mitten in der CO2-Debatte und soviel MeckPomm und Brandenburg vor der Tür unbedingt Sachsenmilch aus Tschechien bezahlen zu müssen.
Pix:

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9. Juli 2008
Warum auch immer habe ich mir neulich die Zeit genommen, die textile Zusammensetzung eines meiner Handtücher näher anzuschauen. War nicht so kompliziert, denn das Tuch bestand aus 100% Baumwolle.
Interessant fand ich dann die zahlreichen Übersetzungen. Da steht dann folgendes:
GB 100% cotton
FR 100% coton
NL 100% katoen
IT 100% cotone
ES 100% algodón
PT 100% algodão
Es folgen die skandinavischen Länder mit bomull. Das springt dann ebenso aus der Reihe wie “Baumwolle”. Wobei Baumwolle ja eher deskriptiv ist und keinen wirklichen Namen darstellt. Ich schätze, dass dann wiederum dieser Wolle gebende Baum - welcher eigentlich eine Staude ist - Pate für die “bomull”-Bezeichnung stand. Womöglich auch umgekehrt. Wie auch immer. Ich freute mich, dass die Iberiker ihre eigene Wort-Herkunft für dieses Material haben.
War aber zu früh gefreut. Denn sieben Jahrhunderte unter maurischer Fuchtel hinterlassen selbstredend auch in der Sprache ihre Spuren. Und ein wenig Recherche brachte mich dazu, dass anscheinend sämtliche Wörter im Spanischen, die mit “Al” beginnen aus dem Arabischen stammen. “Al” als arabischer Artikel. (Ach, aliterarisch…) So verhält es sich offenbar auch mit vielen deutschen Wörtern. (Und: Nicht nur Worte, die mit “Al” beginnen, könnten arabsicher Herkunft sein. Auch Begriffe, die nur mit “A” anfangen, da beim Artikel “Al” das “L” bei bestimmten Buchstaben-Zusammensetzungen weggelassen wird.) Aber ich war bei algodón. Also Al-godón. Und godón wiederum klingt ein wenig so, als würde ein Sachse cotton sagen. Hat also die gleiche Wurzel.
Die bekannteste Baumwolle ist wohl die ägyptische Baumwolle. Womöglich sind die Ägypter sogar die Entdecker der Baumwolle. Und die Ägypter sprechen bekanntlich arabisch. Baumwolle auf arabisch heißt (el) qutn. Qutn wiederum klingt ganz schön nach (FR) coton, gesprochen mit einem Tischtennisball im Mund. Doch die Franzosen müssen es sich von den Spaniern abgehört haben. Werden es doch die Mauren gewesen sein, die die Baumwolle nach Spanien brachten. Und die Mauren kamen ja übers Wasser.
Ich habe mich dann wieder auf mein 100% arabisches Wort-Handtuch gelegt und weiter in der Sonne gedöst.
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6. Juli 2008
Heute war es mal wieder so weit. Die geliebte Tagesschau und die Positionierung ihrer Nachrichten innerhalb der Sendung. Immer wieder kommt es zu solchen Tagen, an denen ich als Zuschauer / Rezipient hoppla di hopp wieder ganz aufmerksam zuschaue. Da wird in der heutigen Sendung ein bißchen christliche Unionskrise, ein bißchen Nahrungskrise und zur Mitte hin über das geglückte Hitler-Attentat bei Mme. Tussauds in Berlin berichtet. Anschließend folgen Meldungen aus dem Sport (Tour de France und Wimbledon - kein Formel 1!). Und dann noch die Lottozahlen. Ich lehne mich bereits zurück und erwarte nur noch das Wetter.
Aber was ist das? Eine Nachricht im Film kommt noch plötzlich mit fackelnden Wäldern. Die Brände in Kalifornien. Doch noch Zeit für diese Meldung gehabt? Nein. Die Brände hängen mit dem Wetter zusammen. Daher passt diese Nachricht auch thematisch zum Wetter und so wird ihre Position innerhalb der Sendung rechtfertigt. In Kalifornien ist bald ist eine Fläche in der Größe des Saarlandes verbrannt. (Das arme Saarland, muss es doch so oft wegen seiner Größe hinhalten…) Mehrere Tausend Menschen sind obdachlos. Und ein Ende dieses katastrophalen Naturereignis ist nicht abzusehen.
Immer wieder kommen diese thematischen Zwangsgruppierungen von Meldungen, die den Redakteuren oder Chefs vom Dienst den Mut abringen sollten, sie nicht stoisch zum Wetter zu packen, sondern sie gebührend zu platzieren. Und sei es durch den Bogen der wirtschaftlichen Betrachtung: zig Feuerwehrleute, Wassermengen, Arbeitsstunden und so weiter. Oder die voraussichtlichen Einbußen als Urlaubsregion.
So dann wenigstens vor den Lottozahlen. Im Grunde auch noch vor dem Sport.
Satellitenbild Kaliforniens bei Spiegel online als Satellitenbild der Woche.
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