
Die neue Armut
23. Juli 2008Es sind nicht mehr unbedingt die ragged people, die einen langen Arm in die Mülltonnen machen, auf der Suche nach weggeworfenem Geld in Form von Pfandflaschen. Es sind immer öfter Muttis und Pappis, die im ganz alltäglichen C&A-Chick mit Einkaufstrollys die Einwurfstellen der BSR durchstöbern wie die Grabbeltische bei Woolworth. Verständlich, bei den sich offenbar lohnenden Fundquoten. Beängstigend, bei der vermeintlich soziodemografischen Nähe.
Nun taucht in Berlin ein Phänomen auf, welches ich bisher nur aus der Heimat meiner Eltern kannte: Die Cartoneros. Die, die Pappe oder Altpapier sammeln. Transportiert auf waghalsigen Eigenkonstruktionen mit Rädern. Denn Papier und Pappe ist in der Masse schwer und nur so auch lukrativ. 7,00 EUR für 100 Kilogramm Tageszeitungen, Illustrierte und Kataloge. Kartonage wirft pro Kilogramm dagegen nur 3 Cent ab. Diese Preise werden bei der WIKO Papierhandels GmbH gezahlt. Bei der Papierbank liegen die Preise für Altpapier bei 5 Cent/Kg.
Die Papierbank zahlt zwar weniger, hat allerdings allein in Berlin bereits 20 Annahmestellen für vorsortierte Zeitungen, Telefonbücher und so weiter. Wiko Berlin hat nur in der Friedrichshainer Markgrafenstraße eine Annahmestelle.
Für den Transport von kiloweise Altpapier wird es im fortschrittlichen Deutschland nicht nötig sein, fahrtüchtige Konstruktionen zu entwickeln. Gibt es hier doch im Supermarkt Einkaufswagen schon für einen Euro, bei Discountern manchmal sogar schon für 50 Cent. Darüber hinaus sind (in meiner Phantasie) Papiertonnen wesentlich angenehmer zu durchwühlen als Mülltonnen.
Das Szenario
Je reicher eine Stadt umso mehr Abfall produziert sie. Früher oder später gibt es eine Papier-Camorra und eine Pfand-Mafia. Die Mülltonnen mit vermeintlichen Pfandglas stehen in klar getrennten Reviere und dürfen nur von den dort zugelassenen Pfand-Ladies und -Gents durchforstet werden. Da dieser „Markt“ dann bereits zu genüge bedient wird, wird sich die Papier-Camorra die Altpapier-Tonnen untereinander aufteilen, um sich zumindest dort ein paar Euro dazu zu verdienen. Aus dem Umland werden per Pritschenwagen Sammelwillige in die Stadt gefahren, welche mit einer aberwitzigen Umsatzbeteiligung das große Geschäft mit den Sekundärrohstoffen antreiben. Dafür dürfen sie allerdings gefahrenlos die entsprechenden Tonnen durchwühlen.
Und die Busspuren werden eingenommen sein von den Cartoneros auf dem Weg zu den Papier-Annahmenstellen.
Armut sollte man sehr groß schreiben
wieso leben sehr viele arme menschen in so ein Modernes land warum suchen alle armen nach Pfandflaschen und suchen im müll………………
sieht das niemand
oder wollen die es nicht sehen………….
was haben uns die politiker versprochen
was hat uns die Kanzlerin versprochen haben wir nicht zu viel versprechen gehört ……………………….
es sieht niemand was………………..
und es interessiert niemand………..
und keiner will uns hören …………
ich rede und rede egal wenn mir niemand zu hört
hauptsache ich sage was ich denke
und die sagen was sie tun wollen
ich lebe jetzt lebe villeicht morgen noch
über morgen kann ich nichts mehr sagen
dann bleiben unsere stimmen ohne ton
hört uns redet mit uns ?
fragt uns wie es uns geht?